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Geschichtliches rund um Appleby

Appleby Horse Fair

Zahlreiche Tinker stehen zur Schau und zum Teil zum Verkauf

Appleby Horse Fair

Als eine von 39 traditionellen Grafschaften Englands, gehört Westmorland sicherlich zu einer der schönsten und unberührtesten, historischen Gegenden Großbritanniens. Das Gebiet der fruchtbaren Täler, zu dem auch große Teile des
Lake District National Parks gehören, wird umringt von Bergen und weist zahlreicher Moore und Seen von außergewöhnlicher, natürlicher Schönheit auf.

In dieser landschaftlich fast ursprünglichen Gemarkung findet man die traditionelle englische Kreisstadt
Appleby, welche durch die jährliche Zusammenkunft von Gypsies* und Travellers* (Appleby Horse Fair) zum bekanntesten Treffpunkt in England geworden ist.

Einmal im Jahr, für eine Woche - jeweils am ersten Donnerstag im Juni bis zum darauffolgenden Mittwoch, findet die größte Messe ihrer Art Europas, in Appleby, der bezaubernden Stadt an den Ufern des Eden statt und ist weltweit bekannt.
Das Treffen der als „fahrenden Volk“ bezeichneten Sintis und Romas Großbritanniens, sowie irischen und schottischen Familien, gilt als wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Gypsy Traveller; - um alte Freunde zu treffen, ihre Musik zu spielen, zu feiern und Tinker zu handeln.

Die Horse Fair ist einzigartig. Ein bemerkenswertes Überbleibsel aus einer Zeit, in der Pferde das Arbeitsfeld der Landwirtschaft beherrschten und sich Zigeuner - das fahrende Volk - auf Pferdekauf – und verkauf spezialisiert hatten. Seit dem Jahr 1685, anfangs unter dem Schutz von James II** der den Gypsies und Travellers mit einer Charta (Verfassungsurkunde) das Zusammentreffen gewährte, existierte die Horse Fair zuerst als Viehmarkt.

Appleby Fair ist kein "organisiertes" Ereignis und auch nicht durch jede Organisation ausdrücklich genehmigt, sondern hat sich im Laufe der Jahre von einer landwirtschaftlichen Verkaufsausstellung in ein kulturelles Großereignis für Reiseveranstalter und Touristen entwickelt.
Dennoch wird die Veranstaltung durch eine strategische Gruppe von Landkreis- und Bezirksräten koordiniert und beaufsichtigt, einschließlich der RSPCA, Feuer und Rettungsdienste, NHS und Highways Agency, Cumbria Constabulary (Polizei) und anderen gesetzlichen Stellen, welche bestrebt sind, den Ablauf der Messe zu gewährleisten und ein unvergessliches Erlebnis für die Besucher zu bieten, mit möglichst minimaler Unannehmlichkeiten für die ca. 3000 Anwohner der kleinen Kreisstadt. Die traditionelle Innenstadt, normalerweise ein ideales Zentrum für Touristen aller Art und Ausgangspunkt für ausgiebige Wanderungen in die umliegende Gegend, sowie das großräumige Gelände außerhalb Appleby’s, wird an den Veranstaltungstagen von etwa 10.000 Roma und Travellers und von weit mehr als 40.000 Besuchern durchquert und die verkehrsreichen Straßen sind zeitweise völlig überlastet. In den kleinen Läden herrscht geschäftiges Treiben und in den gut besuchten Pubs eine ausgelassene Stimmung.

Die Anwohner und Geschäftsleute sind trotz der hohen Besucherzahlen und des massiven Ansturms von Touristen sehr freundlich und zuvorkommend. Jeder ist hier willkommen und alle Hotels und Pensionen tun ihr Möglichstes, um den Aufenthalt für die Besucher so angenehm als möglich zu gestalten. Normalerweise versetzt ein Spaziergang auf der malerischen Hauptstraße Boroughgate einen zurück ins mittelalterliche England und eine Wanderung entlang des Flusses Eden bietet Touristen Gelegenheit, innerhalb von fünf Minuten von der Stadtmitte entfernt, die Ruhe der naturnahen Landschaft zu erleben.
An der Horse Fair aber, während des Pferdemarktes an der Main Street, begrüßt die Besucher eine große Anzahl von Tinkern. Auf der mit Gittern abgesperrten Straße stehen mittig, herdenweiße Tiere in allen Farben, Größen und jeden Alters, so dass die potenziellen Käufer geschützt vor den aufgeregten Pferden und rollenden Kutschen, an den hier angebundenen Pferden entlang schreiten und der Pferdehandel stattfinden kann.
Im parallel zur Straße verlaufenden Fluss Eden waschen währenddessen jugendlichen Traveller, unter viel Gejohle und den neugierigen Augen der zahlreichen umstehenden Besucher ihre Tinker, - schwingen sich junge, halbnackte Burschen auf deren Rücken, um diese dann im schnellen Trab zu saloppen Rennen entlang der "verrückten Mile" zu hoher Geschwindigkeit anzuspornen um den potenziellen Käufern die Ansicht gewaschener und gepflegter Tinker zu bieten.
Viele interessante Charaktere und buntschillernde Persönlichkeiten bestimmen das Bild rund um die Appleby Fair und wenn man will, kann man hier die faszinierende Kultur der Zigeuner - ihre Sprache, ihre Gebräuche - Dinge, die scheinbar aus einer anderen Zeit stammen, kennen lernen.
Scheinbar endlos brausen von Pferden gezogenen bunte Wagen und Kutschen durch die Stadt. Mit lauten Rufen verscheuchen die Fahrer alle Verkehrsteilnehmer von der Boroughgate, Appleby's breite Hauptstraße, die bis hoch ins Fair Hill führt.
Oft wundert man sich, dass Unfälle wohl eher selten passieren, was bestimmt auch an den zahlreichen Polizisten und Sicherheitskräften liegt, die sich mutig in das Gewühl der fahrenden Autos, trabenden Pferden und Touristen stürzen um wenigstens kurzfristig für eine zurückhaltendere Fahrweise zu bitten.

Von Fair Hill aus, ein Feld ca. 2 km außerhalb des Stadtzentrums entfernt, ursprünglich aufgrund seiner Verwendung in früheren Zeiten bekannt als Gallows Hill, blickt man auf die Stadt Appleby. Traditionell lagern die Travellers hier und die Pferde können abseits auf einigen Wiesen angepflockt fressen und sich ausruhen. Aber auch auf der gesamten Strecke von Fair Hill bis in die Innenstadt, am Fluss, in Gärten, vor Geschäften und Hotels sind angebundene Pferde zu finden.

Wie früher, so sind auch heute noch Pferde ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Gypsy Traveller. Einige werden noch zum Ziehen von Karren und Wagen verwendet, aber natürlich nicht mehr so häufig, wie es in früheren Epochen üblich war.
In der heutigen Zeit wurde das Pferd durch Maschinen ersetzt, aber der Handel mit Pferde begeistert die Zigeuner wie eh und je; - und zur Zeit der Horse Fair sind die Gassen und Wege im Norden Englands, oft von bunt bemalten Roma Wagen oder Vardoes, alle Überbleibsel einer Zeit in der das Reisetempo von geschmückt Pferdekutschen bestimmt wurde, befahren. Viele Gypsy Traveller halten sich noch Pferde, züchten sie und verkaufen sie auf traditionellen Messen (z.B. Stowe, Appleby), auch für Trabrennen sind sie sehr beliebt.

Pferde sind natürlich nicht die einzige Ware die hier auf Fair Hill verkauft wird.
Ursprünglich wurden alle Arten von Vieh gehandelt. An mindestens hundert Ständen werden Sattlerwaren, Kleidung, Keramik, Bücher, Schuhe und verschiedenen Souvenirs angeboten. Die meisten der Verkaufsstände sind von Freitagmorgen bis Sonntag oder Montagabend geöffnet. Bei schlechten Wetter kann es kann gut sein, dass durch Regen und Feuchtigkeit der Boden in den Hügeln von Fair Hill schnell matschig wird. Deshalb sollte man für diese Witterung entsprechend ausgestattet sein. Gummistiefel oder gutes Schuhwerk sind angebracht, da auch die Parkplätze nicht in der Nähe liegen. High Heels werden jedenfalls nicht empfohlen.

Am Abend flackern auf Fair Hill die Lagerfeuer vor den abgestellten Wohnwagen und Kutschen, traditionelle Musik erklingt und nach einem hektischen Tag für die Pferde, dem fortwährenden hoch und runter auf der Main Street, kehrt endlich die Ruhe für die erschöpften Tiere ein.

*Gypsies* und Travellers* dt. fahrende Volk, Sinti und Roma, abfällig als Zigeuner bezeichnet
**Jakob II. von England (englisch James II; 1685 König von England)

Autorin: @EHS

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